Darmflora

Das Geheimnis vom Übergewicht liegt in deiner Darmflora

Unsere Darmflora hat einen großen Einfluss auf unseren Stoffwechsel. Mittlerweile ist bekannt, dass Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes Typ 2, zu den ernährungsbedingten Zivilisationserkrankungen gehören.

Eine unausgewogene Ernährung kann die Darmflora stark beeinflussen. Welche Auswirkung unsere Darmbakterien auf unsere Stoffwechsellage haben und was du für deine Darmflora tun kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Bislang gibt es noch keine allgemeingültigen Aussagen darüber, ob eine veränderte Darmflora Ursache oder Konsequenz einiger Erkrankungen ist, allerdings wissen wir, dass sich die Darmflora durch unsere Ernährung beeinflussen lässt. Somit ist die Ernährung der wichtigste Faktor für eine gesunde beziehungsweise ungesunde Darmflora.

Die Ursache von Übergewicht im Darm entschlüsselt

In Untersuchungen übergewichtiger Mäuse und Menschen zeigte sich immer wieder ein Ungleichgewicht innerhalb der Bakterienarten Bacteroidetes und Firmicutes.

Eine Analyse der bakteriellen Zusammensetzung von Stuhlproben (Maus & Mensch) (1) zeigten in fast allen Fällen ein verschobenes Verhältnis dieser beiden Bakteriengruppen. Wie in folgender Grafik erkennbar, ist der Anteil an Firmicutes-Bakterien bei Übergewichtigen Probanden stark erhöht, wobei der Anteil bei der gesunden Vergleichsgruppe niedriger ist. 

Das Geheimnis vom Übergewicht liegt in deiner Darmflora

Das gleiche Ergebnis liefert eine Studie an Mäusen. Die schwarzen Balken präsentieren hier die Firmicutes-Bakterien und die weißen Balken die Bacteroidetes-Bakterien.

Das Geheimnis vom Übergewicht liegt in deiner Darmflora

Das Verhältnis in einem gesunden Darm

Die beiden Darmbakterien Firmicutes und Bacteroidetes repräsentieren natürlicherweise etwa 90% einer gesunden Darmflora. Sie sind keinesfalls schädlich. Im Gegenteil, sie gehören zu den nützlichen Darmbakterien und helfen uns, unsere Nahrung zu verwerten. Daraus entstehen viele hilfreiche Stoffwechselprodukte wie beispielsweise kurzkettige Fettsäuren, die uns als Energielieferant dienen und unsere Darmzellen schützen und versorgen.

In der Kindheit befindet sich das Firmicutes-Bacteroidetes Verhältnis noch in einem guten Gleichgewicht. Anhand von einer Studie in der Ukraine stellte sich heraus, dass sich das Verhältnis immer weiter im Laufe des Alterns, vor allem durch eine stark verarbeitete und tierische Nahrung, verschlechterte. (1)

Wenn dieses Verhältnis zwischen den Firmicutes und Bacteroidetes aus dem Gleichgewicht gerät (=Dysbiose), können daraus gesundheitliche Probleme für den Menschen entstehen. Im gesunden Organismus überwiegt die Zahl der Darmbakterien Bacteroidetes. Die moderne Ernährungsweise hat allerdings dazu geführt, dass die Firmicutes-Bakterien dominieren und das Verhältnis in unserem Darm aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Die Ursache liegt vermutlich in den Stoffwechseleigenschaften der beiden Darmbakterien. Firmicutes können unverdaute Nahrungsbestandteile besser verwerten und in Energie umwandeln. Das Ergebnis: Es werden mehr Kalorien aus der Nahrung extrahiert als davor, da auch mehr kurzkettige Fettsäuren produziert werden.

Bei Nahrungsknappheit stellte dies früher einen Überlebensvorteil dar. Heutzutage hält unser Umfeld jedoch weniger Herausforderungen für uns bereit und es gibt Hinweise, dass dieses Missverhältnis die Entstehung von Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen und Diabetes begünstigt. Vor allem auch in Bevölkerungen mit einer stark tierisch betonten Ernährung, wie den Inuit, weisen ohne Übergewicht mehr Firmicutes-Bakterien auf und ziehen daraus aus einer sehr fettreichen Ernährung effizienter die schwer zugängliche Energie zu speichern. (2)

Übergewicht durch Mikrobiomforschung “geheilt”

Die Mikrobiomforschung der letzten Jahre veröffentlichte spannende Ergebnisse. Übergewichtigen Mäusen (3) wurde per Infusion das Mikrobiom ihrer schlanken Artgenossen übertragen. Für diese Untersuchung wurden weibliche Zwillingsmäuse (gnotobiotische Mäuse) eingesetzt, die in ihrem bisherigen Leben in keimfreien Käfigen gehalten wurden und aus diesem Grunde keine Darmflora aufbauen konnten. 

Nach Übertragung der Darmflora des schlanken Zwillings auf die adipöse Zwillingsmaus, nahmen die Mäuse an Gewicht ab. Andersherum nahmen beide Zwillingsmäuse nach der Implantation der Darmflora von der adipösen Maus zu – bei gleichem Nahrungsangebot.

Die Analyse der Darmbakterien von der schlanken Maus ergaben, dass diese vermehrt Kohlenhydrate verdauen, während die Darmbakterien der adipösen Maus dem Organismus zusätzlich Aminosäuren zur Verfügung stellen. Da Menschen nicht keimfrei aufwachsen, dürften die Ergebnisse der Studie keine besondere Relevanz haben. 

Viel aufschlussreicher ist hingegen dieser Versuch: In einer zweiten Versuchsreihe wurden eine schlanke und eine adipöse Maus zusammen in einem Käfig gehalten. Da Mäuse die Exkremente anderer verzehren, kommt es zu einer Vermischung der Darmflora auf diesem Wege. Dies hatte zur Folge, dass die schlanken Tiere ihr Gewicht halten konnten, während die adipösen Mäuse abnahmen. Diese Ergebnisse bedingten allerdings eine ausgewogene Ernährung. Ein Mikrobiom-Transfer bei hochkalorischen Kost lieferte keine positiven Ergebnisse. Eine Fäkaltransplantation scheint demnach vor allem im Zusammenhang mit einer Diät erfolgreich zu sein. 

DAS kannst du aktiv für deinen Darm tun

Mittlerweile gibt es bereits klinische Studien, die eine Fäkaltransplantation bei Menschen untersuchten. In diesem Zusammenhang ergab eine Studie aus dem Jahr 2017 (4) eine verbesserte Insulinsensitivität bei Patienten mit metabolischem  Syndrom. Der Einfluss der Darmbakterien auf unseren Stoffwechsel hat damit über die Darm-Hirn-Achse eine direkte Wirkung auf Empfindungen und Handlungsimpulse. Schon zuvor stellten Forscher einen Zusammenhang zum Temperament von Kleinkindern und der Vielfalt an Darmbakterien her. Desto größer die Vielfalt, umso friedlicher verhielten sich die Kinder. Außerdem stehen einige psychischen Störungen im Zusammenhang mit dem Reizdarm-Syndrom. (5)

Auch die orale Gabe von Lactobacillus rhamnosus in einer randomisierten Studie (6) zeigte ein verbessertes Sättigungsgefühl, vermindertes emotionales Essverhalten und speziell bei Frauen einen signifikanten Gewichtsverlust, im Gegensatz zu der Kontrollgruppe. 

Bifidobacterium lactis konnte in zwei randomisierten Kontrollstudien zu einer Reduzierung des viszeralen Bauchfetts beitragen, das Hungergefühl reduzieren und somit die Kalorienaufnahme positiv beeinflussen. Dieses Ergebnis konnte zudem ohne die Zugabe des Präbiotischen Zusatzes beobachtet werden. Dieses Ergebnis spricht für eine alleinige Wirkung des Probiotikums.

Auch die Probiotischen Bakterien Lactobacillus plantarum und Bifidobacterium breve zeigten zusammen mit anderen probiotischen Bakterien bei übergewichtigen Probanden eine Reduktion des Körpergewichts, sowie einem geringeren Hüftumfang. Ergänzend zeigt Lactobacillus plantarum in weiteren Studien eine erhöhte sportliche Ausdauer, reduzierten Körperfettanteil und eine Zunahme der Muskelmasse.

Fazit: Unterstütze deine Darmflora durch eine ausgewogene Ernährung und Pro-/Präbiotika

Nicht nur die Nahrung allein, sondern auch die Besiedlung mit förderlichen Darmbakterien fördert einen gesunden Stoffwechsel. Probiotika in Kombination mit einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung kann somit bei Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen helfen, das Gleichgewicht der Darmbakterien wieder herzustellen. Die Auswirkungen auf unsere Darm-Hirn-Achse spielen dabei eine entscheidende Rolle und beeinflussen zum Beispiel Vorlieben für Nahrungsmittel.

Quellenverzeichnis:

https://docs.google.com/document/d/1bsCerXJuAfI6m7gj8Uzt_5e6vR99thy5OACYMZYksG8/edit?usp=sharing

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