Inhalte
Migräne: Es geht auch ohne!

Migräne ist mehr als nur ein normaler Kopfschmerz. Migräne wird oft von Übelkeit und einer gewissen Aura begleitet. Das sind sensorische Störung, die unter anderem die Sicht beeinflussen können. Viele Menschen werden auch deutlich lichtempfindlicher während einer Migräne. Doch nicht jede Migräne verursacht Kopfschmerz oder diese mysteriöse Aura. 

Einige Menschen haben bereits Tage vor der Migräne Stimmungsschwankungen, einen steifen Nacken oder Heißhunger. Doch auch nach der akuten Migräne ist der Spaß noch lange nicht vorbei. Danach folgt meistens starke Erschöpfung und Müdigkeit. Doch wie entsteht Migräne und was kannst du dagegen tun? Genau das klären wir in diesem Beitrag!

Das Wichtigste zuerst:

Zuerst einmal eine schlechte Nachricht für die Frauen: Sie sind aufgrund von Hormonschwankungen etwa dreimal so oft davon betroffen wie Männer. Doch auch Allergien bzw. Histamin können dabei eine Rolle spielen. Migräne ist nämlich mit Entzündungen der Blutgefäße assoziiert und Allergien können dazu führen, dass das Immunsystem getriggert wird und eine Immunreaktion initiiert.

Auch Umweltfaktoren sollten nicht vernachlässigt werden. Das Wetter, die Luft, Wasserqualität, Stress, Schlafmangel, und allgemein oxidativer Stress. Auch familiäre Genmutationen wurden identifiziert. In diesem Beitrag konzentrieren wir uns jedoch lediglich auf die Risikofaktoren, die wir beeinflussen können.

Was haben Hormone mit Migräne zu tun?

Man sollte wissen, dass Östrogene durch das Enzym COMT verstoffwechselt werden. Auch Adrenalin wird durch dieses Enzym abgebaut. Wenn also viele Östrogene im Umlauf sind und durch COMT abgebaut werden müssen, bleibt wenig Kapazität für den Abbau von Adrenalin übrig.

Adrenalin ist einer der Neurotransmitter, die bei Migräne von Bedeutung ist. Menschen, die dieses Problem haben erfahren mit den anderen Symptomen ihrer Migräne oft auch eine Stress-Hypersensitivität und Verdauungsstörungen.

Wir sehen ein Diagramm, das zeigt, wann der Östrogenspiegel der Frau am höchsten ist, nämlich kurz vor und während der Ovulationsphase. (1)

Welche Rolle spielen Allergien?

Menschen mit Allergie-Migräne haben außer Migräne oft noch andere Symptome, die für Allergien typisch sind. Dazu gehören unter anderem Juckreize und andere Beschwerden an der Haut. Tränende Augen, Magen-Darm-Beschwerden, Atembeschwerden, Herzrasen, etc.. Die Zahl der Allergiker, die schon einmal eine Migräne erlebt haben ist viel höher als die der Normalbevölkerung. In einer Studie, die den Zusammenhang zwischen Migräne und allergischen Nasenschleimhautentzündungen untersucht hat, kam zum Beispiel zu dieser Schlussfolgerung. (2)

Auch in einem Review-Paper wird erwähnt, dass Migräne häufiger in Menschen mit Allergien bzw. Asthma vorkommt. (3)

Dieses Paper ist aber noch viel ergiebiger, denn es befasst sich mit den Zusammenhang zwischen Mastzellen und Migräne. Mastzellen sind wichtige Zellen des Immunsystems, die entzündliche Stoffe ausschütten. Unter anderem auch Histamin. Migräne ist mit Entzündungen der Blutgefäße assoziiert. Mastzellen liegen direkt neben den Blutgefäßen und sind im engen Kontakt mit den Nervenzellen. Vor Allem in der Dura mata. Das ist die dicke Membran, die Hirn und Rückenmark umgibt. (3)

Diese kann von bestimmten Ganglien und dem Trigeminusnerv getriggert werden. Einige Stoffe können die Mastzellen aktivieren und zu Migräne führen. Mastzellen reagieren auch auf Stress und können gefäßerweiternde Stoffe, wie Interleukin-6 ausschütten. (3)

Mastzellen spielen also eine wichtige Rolle bei Migräne und werden durch Allergien aktiviert. Doch auch andere Faktoren, wie zum Beispiel mechanische Verletzungen oder eine Fehlstellung der Wirbelsäule können zu einer Aktivierung führen.

Andere Umweltfaktoren

Auch Stoffe, auf die wir nicht “offiziell allergisch” reagieren, können Mastzellen triggern! Zum Beispiel Toxine in der Luft oder im Trinkwasser, Kosmetikprodukte, Waschpulver, Reinigungsmittel oder Abgase. Wenn unser Immunsystem überaktiviert ist, können diese Reaktionen sehr stark sein. 

Bestimmte Wetterverhältnisse können ebenfalls Symptome hervorrufen. Das Wetter ist jedoch schwer zu verändern. Dafür gibt es eine ganze Reihe an anderen Faktoren, die wir beeinflussen können. Zu den wichtigsten beeinflussbaren Dingen könnte man Trinkwasser, Ernährung, Haushaltsprodukte, Kosmetikprodukte und Stress zählen.

Was heißt das konkret für dich?

  • Genügend Zeit für Entspannung einplanen, um den Stress abzubauen. 
  • Auf Naturkosmetik umstellen.
  • Parfüm meiden.
  • Statt harte Putzmittel auf Hausmittel wie Essig zurückgreifen. Sauberes Trinkwasser trinken. Entweder qualitatives Trinkwasser in Flaschen kaufen oder selbst filtern.

Essen und Migräne ist ein kompliziertes Thema

Wie wir gelernt haben, ist Histamin ein Stoff, der von Mastzellen ausgeschüttet wird. Aber wie bei so vielen Dingen im Leben funktioniert der Mechanismus auch anders herum. Histamin kann die Mastzellen über den Histaminrezeptor 4 auch zurück aktivieren. Wenn dieser sogenannte H-4 stimuliert wird, geht die Kaskade weiter. Histamin aktiviert zum Beispiel ein Signal in Hautzellen, das für das Jucken verantwortlich ist.  Eine Studie hat gezeigt, dass Quercetin dieses Signal inhibieren kann. (4)

Wieso ist diese Erkenntnis für Migräne selbst relevant? 

Histamin 4 Rezeptoren sind auch wie andere Rezeptoren im Gehirn und im Gewebe, dass es umgibt sehr verbreitet. Immerhin benötigen wir Histamin auch, damit unser Gehirn und unsere Nervenzellen funktionieren, aber eben nicht im Überfluss. Migräne ist mit einer Überreaktivität der Hirnrinde assoziiert und hat zur Folge, dass das Gehirn empfindlicher auf Stimuli reagiert. Wie bereits erwähnt führt Entzündung nicht nur zu Jucken und Rötung, sondern auch zu Schwellung und Schmerz. So wird schnell klar, dass Histamin bei einer Migräne eine wichtige Rolle spielt. 

Wenn eine Migräne von Symptomen, wie Jucken, Rötungen der Augen, Unruhe, laufende Nase, Schwitzen, Rötungen des Gesichts oder Bauchschmerzen begleitet wird, liegt das höchstwahrscheinlich an Histamin. Was kann man dagegen tun? 

Quercetin könnte helfen, da es ein natürliche Gegenspieler zu Histamin ist. Es hat aber noch viele andere Vorteile. Wusstet ihr, dass es ein Medikament gibt, das Mastzellen davor bewahren soll zu reagieren und ihre entzündlichen Stoffe, also auch Histamin, auszuschütten? (4)

Quercetin zeigt diesbezüglich sogar eine bessere Wirkung als dieses Medikament (Cromolyn). Quercetin ist in geringen Mengen in Nahrungsmitteln oder in größeren Mengen in Extrakten zu finden.

Quercetin, Coenzym Q10 und Terpene

Eine 2020 durchgeführte Studie erwähnt Quercetin als Helfer gegen Migräne. (5) Die Studie bezieht sich aber auch auf das Coenzym Q10 und Gingko biloba Extrakt, das außer Flavonoide auch noch Terpene enthält. Diese Stoffe sollen laut Studie auch das Nervensystem beschützen, und gegen Migränesymptome, wie die typische Aura, helfen.

Coenzym Q10 soll den Energiestoffwechsel der Mitochondrien und das Enzym Superoxiddismutase vorteilhaft beeinflussen, Entzündungen sowie oxidativen Stress reduzieren, und Glutathion erhöhen. Glutathion ist das körpereigene und wichtigste Antioxidans des Menschen. Infolge sollen die Häufigkeit und die Länge der Migräneattacken und Schmerzen reduziert werden. (5)

Was könnt ihr sonst noch tun?

Wenn eure Attacken von Bauchschmerzen oder Verdauungsproblemen begleitet werden und durch Lebensmittel ausgelöst werden, könnte Quercetin ebenfalls helfen, da es die Mastzellen hindert darauf zu reagieren. Natürlich solltet ihr auch darauf achten eure Ernährung so umzustellen, dass histaminarme Lebensmittel bevorzugt werden. 

Histaminreiche Lebensmittel:

  • Tomaten
  • Ananas
  • Kiwi
  • Champignons
  • Meeresfrüchte
  • Schokolade
  • Zusatzstoffe in Lebensmitteln
  • Orangen
  • Birnen
  • Bananen
  • Himbeeren
  • Hülsenfrüchte
  • Weizenkeime
  • Cashewnüsse
  • Walnüsse
  • Geräuchertes fleisch
  • Schinken
  • Salami

Histaminarme Lebensmittel:

  • Aprikosen
  • Reis
  • Mais
  • Quinoa
  • Dinkel
  • Hafer
  • Amaranth
  • Hirse
  • Kartoffeln
  • Grüner Salat
  • Kohl
  • Kürbis
  • Zwiebeln
  • Knoblauch
  • Radieschen
  • Rettich
  • Paprika
  • Karotten
  • Brokkoli
  • Gurke
  • Lauch
  • Zucchini
  • Mais
  • Spargel
  • Frische Kräuter

Fazit: Man kann viel gegen Migräne tun

Wie wir gelernt haben, gibt es viele Risikofaktoren für Migräne, die wir im Alltag entscheidend beeinflussen können. Zu den besten praxisnahen Maßnahmen zählen unter anderem:

  • Eine histaminarme Ernährung mit viel:
    • Q10
    • Quercetin
    • entzündungshemmenden Stoffen
  • Eine gesunde Darmflora
    • Vor allem durch eine Ernährung mit vielen pflanzlichen Ballaststoffen
  • Umweltgifte meiden
  • Bioware verzehren
  • Chemiefreie Kleidung wählen
  • Stress vermeiden (Spaziergänge, Meditation, Sauna, etc.)
Autor
Autor

Philipp Gilg

Quellenverzeichnis:

(1) https://www.researchgate.net/publication/264888963_THE_EFFECT_OF_SEX_AND_MENSTRUAL_CYCLE_PHASE_ON_NEUROMUSCULAR_CONTROL_OF_TRUNK_MUSCULATURE

(2) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3634285/

(3) https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0165017304001778

(4) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22470478/

(5) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32012936/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

0
    0
    Warenkorb
    Ihr Warenkorb ist leer