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Sensationelle Studie! Langsamer altern durch Chlorella?

Sensationelle Studie! Langsamer altern durch Chlorella?

Chlorella wird oft als Anti-Aging-Wunderalge bezeichnet und sie ist in fast jedem Regal für Nahrungsergänzungsmittel in Drogeriemärkten zu finden. Doch kann sie auch diesem Ruf laut Humanstudien standhalten? Lohnt sich die Einnahme von Chlorella? Wie viel davon und welche Arten solltest du wirklich konsumieren? Das alles klären wir in diesem Beitrag!

Das Wichtigste zuerst:

Der Alterungsprozess auf biochemischer Ebene

Zunächst ein paar Hintergrundinformationen. Altern wird auch zelluläre Seneszenz genannt und ist der Prozess der fortschreitenden physiologischen Verschlechterung im Laufe der Zeit, der zu einer Verschlechterung des allgemeinen physiologischen und gesundheitlichen Zustands führt. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass oxidativer Stress (übermäßige Ansammlung von freien Radikalen) und Entzündungen die Hauptverantwortlichen für die Alterung sind.

Der Grad der Alterung hängt jedoch hauptsächlich von der Höhe der Produktion der reaktiven Sauerstoffspezies (kurz: ROS) und der anschließenden Entzündungsreaktion (das sogenannte Inflamm-Aging) ab. 

Viele Forscher haben gezeigt, dass eine erhöhte Produktion von Sauerstoffradikalen (oxidativer Stress) zu einer umfassenden Schädigung der Makromoleküle, wie Kohlenhydrate, Proteine, insbesondere aber auch Nukleinsäuren, wie zum Beispiel die DNA und die mitochondriale DNA führt. Wenn die Produktion über einen längeren Zeitraum anhält, führt diese auch zu vorzeitiger Alterung, sowie zur Verschlechterung des metabolischen Syndroms. 

Chlorella wurde mit dem weltweit besten Studiendesign untersucht

Chlorella ist eine einzellige grüne Süßwasser-Mikroalge, die aufgrund ihres hohen Nährstoffgehalts stark kultiviert und konsumiert wird. Außerdem wächst sie besonders schnell. 

Daher wird sie auch als funktionelles Lebensmittel oder “Superfood” bezeichnet.

Die beste randomisierte, placebokontrollierte Studie zu Chlorella schauen wir uns jetzt genauer an. Die Studie ist erst ungefähr zwei Jahre alt. Das ist wichtig, da viele Studien, die älter als 30 Jahre sind, ihre Zulassung verlieren, da die Messmethoden mittlerweile schon extrem überholt sind. Die Studie entspricht dem Goldstandard und noch mehr:

Denn sie ist nicht nur randomisiert, sondern noch zusätzlich doppelt verblindet. Das bedeutet, dass sowohl die Experimental-, als auch die Placebogruppe nicht wussten, was sie bekommen haben, bzw. in welcher Gruppe sie sich befanden. Das kann nämlich das Verhalten der Probanden natürlich beeinträchtigen. (1)

Die Gruppen wurden nach drei Monaten getauscht, sodass die Placebogruppe jetzt die Chlorella-Alge und die Chlorella-Gruppe das Placebo bekam. Dann wurde weitere drei Monate getestet. Dazwischen gab es eine Wash-Out-Phase, in der nichts genommen wurde. Anschließend wurden die Blutproben noch einmal analysiert.

Des Weiteren verglich man die beiden Gruppen, bevor die Studie anfing. Man untersuchte das Körpergewicht, den Körperfettanteil (den BMI). Diese Messwerte unterschieden sich nicht statistisch signifikant, sodass die beiden Gruppen besonders gut vergleichbar waren. Auch damit setzt die Studie neue Maßstäbe. Was ebenfalls wichtig war:

Es wurden 67 Probanden inkludiert und nur die wirklich gesunden (44 Probanden) wurden letztendlich aufgenommen, um die Gruppen noch besser vergleichbar zu machen. Sogar Raucher und Alkoholkonsumenten wurden exkludiert. Es wurde ebenfalls sichergestellt, dass diese auch keine anderen Supplemente nahmen, die die Werte verfälschen könnten. Zudem wurde die Studie vom Ministerium der Wissenschaft und Technologie finanziert und es gab keine Interessenkonflikte, zum Beispiel durch Hersteller. (1)

Was wurde im Rahmen der Studie untersucht?

Es sollte jetzt jedem klar sein, dass dies das beste Studiendesign der Welt darstellt. (1)

Wir sehen die untersuchten Parameter der Studie. Darunter: Marker für oxidativen Stress, Marker für Anti-Aging, antioxidative Enzyme, das Fett-Profil im Blut, sowie Lebermarker. (1)

In der gleichen Studie wurden ebenfalls Zellkulturen untersucht. Wir möchten uns in diesem Beitrag lediglich auf die Humanstudie konzentrieren, da diese unseres Erachtens deutlich aussagekräftiger ist. (1)

Das antioxidative Potenzial und der Glutathionspiegel stieg nach drei Monaten an

Der TEAC-Wert gibt Auskunft über die Kapazität der Antioxidantien bei dir im Blut. Das heißt, wie hoch dein antioxidatives Potenzial gegenüber Radikalen ist. Wir sehen im Ausgangswert keine signifikanten Unterschiede. Nach drei Monaten in der Chlorella-Gruppe jedoch schon. Es waren statistisch signifikant mehr Antioxidantien im Blut. (1)

Nach einem Monat Pause waren die Gruppen bei der Blutmessung wieder nicht statistisch signifikant zu unterscheiden, weil sie in diesem Zeitraum (der Washout-Phase) nicht genommen haben. Dann wurden die Gruppen getauscht und es kam in der Algengruppe, die aber vorher die Placebogruppe war, zu einem statistisch signifikanten Anstieg der Antioxidantien durch die Gabe von der Chlorella-Alge. (1)

Das Gleiche sehen wir auch mit Glutathion – das wichtigste körpereigene Antioxidans – das auch für die Entgiftung bei uns im Körper zuständig ist. Der markierte Wert zeigt einen statistisch signifikanten Anstieg des Glutathionspiegels in der Chlorella-Gruppe (1)

Zunächst waren die Ausgangswerte von Glutathion nicht statistisch signifikant. Nach drei Monaten Chlorella-Konsum stieg das Glutathion statistisch signifikant. Nach einem Monat Pause waren beide Gruppen wieder identisch und nach dem Tausch der beiden Gruppen zeigte sich hier, dass die frühere Placebogruppe – die ja erst negativ war – plötzlich einen statistisch signifikanten Anstieg zu verzeichnen hatte. Das ist unseres Erachtens sicherlich kein Zufall. (1)

Thiole blieben unverändert, der TBARS-Wert konnte gesenkt werden

Thiole, wie zum Beispiel Schwefelverbindungen, haben sich nicht verändert, aber der TBARS-Wert schon. Das ist ein Marker für Fett-Oxidation im Körper, wie zum Beispiel oxidiertes LDL. Auch hier sehen wir eine statistisch signifikante Senkung in der Chlorella-Gruppe. Das Gleiche wurde in den phenolischen Verbindungen beobachtet. Das heißt, in der Anzahl der sekundären Pflanzenstoffe, denn diese haben ein Grundgerüst – den Phenolring. (1)

Chlorella und ihr Einfluss auf den Alterungsprozess 

8-Hydroxydesoxyguanosin oder 8-OHdG ist ein Nukleosid und ein leicht messbarer Biomarker für oxidativen Stress und ein Marker für die Effizienz des entsprechenden Reparaturmechanismus des Körpers. So können Konzentrationsstörungen oder -erhöhungen bei einer Vielzahl von Erkrankungen unter anderem bei Krebs oder auch im Gehirn bei Parkinson-Patienten gefunden werden. (1)

Wir sehen hier die Ausgangswerte des 8-OHdG: keine signifikanten Unterschiede. Nach dreimonatiger Chlorella-Gabe ist dieser Marker nur in der Chlorella-Gruppe statistisch signifikant gesunken. Nach einmonatiger Pause waren diese Gruppen nicht mehr voneinander zu unterscheiden. (1)

Hat man diese Gruppen wieder getauscht, war genau die vorherige Placebogruppe jetzt wieder statistisch signifikant im Sinkflug für diesen Biomarker, obwohl sie vorher keine Wirkung in der Placebogruppe gezeigt hat. (1)

DHEA – Dehydroepiandrosteron – ist das am häufigsten vorkommende Steroidhormon im menschlichen Körper. In Abhängigkeit vom jeweiligen Hormonniveau kann es sich wie ein Estrogen oder Androgen verhalten. Das heißt, DHEA ist sowohl für das männliche Sexualhormon (das Androgen) als auch für das weibliche Sexualhormon (das Estrogen) die Vorstufe. Es wird in der Nebenniere produziert und fällt im Alter stark ab. In der Chlorella-Gruppe ist dieser Wert ebenfalls statistisch signifikant gestiegen. (1)

Diese körpereigenen antioxidativen Enzyme wurden untersucht

Schauen wir uns die wichtigsten körpereigenen antioxidativen Enzyme ganz genau an. Dazu zählen: (1)

  • Katalase: Sie entgiftet zum Beispiel das Zellgift Wasserstoffperoxid.
  • Superoxid Dismutase: Sie entgiftet das Superoxid Sauerstoffradikal.
  • Glucose-6-Phosphat Dehydrogenase: Ein Mangel daran führt zu Favismus und damit zu einer Blutarmut (gerade für Frauen besonders wichtig).
  • Glutathion Peroxidase: Diese entgiftet ebenfalls das Wasserstoffperoxid mithilfe von Glutathion.
  • Glutathion Reduktase: Das Enzym ist sehr wichtig, da es das Glutathion im Körper regeneriert. (1)

Alle Ausgangswerte in der Gruppe unterschieden sich nicht statistisch signifikant. Dadurch sind sie sehr gut miteinander vergleichbar, doch nach dreimonatiger Gabe sind alle Werte statistisch signifikant gestiegen! Nach einer Pause von einem Monat normalisierten sich diese Werte wieder zu keiner statistischen Signifikanz zwischen den Gruppen, bis die Gruppe getauscht worden ist. Dann kam es in der früheren Placebogruppe zu einer statistisch signifikanten Steigerung aller oben aufgelisteten Parametern. (1)

Was kann Chlorella nicht?

Die Studie zeigte, dass Chlorella keinen Einfluss auf das totale Cholesterin, auf die Triglyceride und auf das HDL haben konnte. Hingegen senkte es aber das LDL-Cholesterin statistisch signifikant nach drei Monaten, selbst wenn man die Gruppen tauschte. (1)

Die Leberwerte konnten ebenfalls gesenkt werden

Kommen wir zuletzt zu den Leberwerten. GPT ist die Abkürzung für das Leber-Enzym Glutamat-Pyruvat-Trans-Aminase. Es ist für den Abbau von Proteinen in der Leber verantwortlich. Sterben Leberzellen, wird dieses frei und der Wert steigt. Hier zeigte sich, dass durch die Gabe (selbst nach Tausch beider Gruppen) von Chlorella dieser Wert beide Male statistisch signifikant gesenkt werden konnte. (1)

Der GOT-Wert gibt Aufschluss über den Zustand der Leber. Auch hier sehen wir den gleichen Trend. Diese Enzyme wurden statistisch signifikant in der Chlorella-Gruppe gesenkt. (1)

Eine große Metaanalyse kam zu ähnlichen Ergebnissen

Chlorella ist mittlerweile so gut erforscht, dass es sogar eine Metaanalyse aus Goldstandard-Studien gibt. 19 randomisierte Studien und 797 Probanden wurden hier untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass die Chlorella-Supplementierung die Gesamtcholesterinwerte, das LDL-Cholesterin, den systolischen Blutdruck, den diastolischen Blutdruck und den gefasteten Blutzuckerwert verbessern konnte.

Aber die Veränderungen bei Triglyceriden, HDL und dem BMI waren nicht in dem Maße gegeben. In Zukunft sollten noch genauere randomisierte, placebokontrollierte Studien an Probanden mit unterschiedlichen Gesundheitsdaten und -status folgen, damit diese gezielt miteinander verglichen werden können. So kann die Chlorella-Supplementation auf kardiovaskuläre Risiken geprüft werden. (2)

Fazit: Die Vorteile von Chlorella scheinen äußerst vielfältig zu sein

Probanden, die mit Chlorella supplementiert haben, hatten einen verbesserten antioxidativen Status und niedrigere oxidative Alterungsmarker, sowie einen wirksamen Schutz der Leber durch Senkung der Leberwerte. Somit könnte die Behandlung mit Chlorella den allgemeinen Gesundheitszustand durch Unterdrückung verschiedener oxidativer Stressmarker und Alterungsmarker positiv beeinflussen. Auf die Fettparameter und den BMI hatte Chlorella im Rahmen der Studie jedoch keinen nennenswerten Einfluss. (1) (2)

Autor
Autor

Philipp Gilg

Quellenverzeichnis:
  1. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/jfbc.13665
  2. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29037431/

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