Selen bei Hashimoto: Wann Supplemente sinnvoll & nötig sind

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Selen bei Hashimoto: Wann Supplemente sinnvoll & nötig sind

Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion – und eng mit entzündlichen Prozessen im Körper verknüpft. In diesem Zusammenhang rückt ein Spurenelement immer wieder in den Fokus: Selen. Es spielt eine zentrale Rolle für die Schilddrüsenhormon-Umwandlung, den Schutz des Schilddrüsengewebes und die Regulation des Immunsystems. Doch nicht jede Person mit Hashimoto profitiert automatisch von einer Supplementierung.

Das Wichtigste in Kürze:

Hashimoto verstehen: Was passiert im Körper?

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen die eigene Schilddrüse richtet. Sie ist in Deutschland die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion. Schätzungsweise erkranken etwa 4 von 1.000 Frauen und 1 von 1.000 Männern daran (3). 

In den frühen Krankheitsstadien bleibt die Menge der Schilddrüsenhormone im Blut häufig noch im Normalbereich, obwohl bereits Schilddrüsengewebe zugrunde geht. Der Grund dafür ist ein Kompensationsmechanismus.

Das noch funktionierende Schilddrüsengewebe steigert seine Hormonproduktion, um den Verlust auszugleichen. Um diese Mehrleistung erbringen zu können, wächst das verbleibende Gewebe – die Schilddrüse wird größer. Deshalb kommt es zu Beginn der Erkrankung häufig zu einer Struma (Kropf).

Mit fortschreitender Erkrankung nimmt die Menge des funktionsfähigen Schilddrüsengewebes weiter ab. Irgendwann reicht die Kompensationsfähigkeit nicht mehr aus, um den Hormonbedarf zu decken. In diesem Stadium werden nicht mehr genügend Schilddrüsenhormone produziert, und es entwickelt sich eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

Typische Beschwerden sind dann unter anderem:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Gewichtszunahme
  • Kälteempfindlichkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • trockene Haut und Haarausfall

In seltenen Fällen kann es zu Beginn der Erkrankung vorübergehend zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen. Dabei treten Symptome wie Herzrasen, innere Unruhe oder vermehrtes Schwitzen auf.

Der Grund dafür: In der Schilddrüse sind Schilddrüsenhormone gespeichert. Wenn Schilddrüsenzellen plötzlich absterben, werden diese Hormone auf einmal freigesetzt und gelangen kurzfristig in erhöhter Menge ins Blut. Dieser Zustand ist meist vorübergehend und geht später in eine Unterfunktion über.

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Ursachen von Hashimoto: Selenmangel als Risikofaktor

Bei Hashimoto bildet das Immunsystem Antikörper gegen Bestandteile der Schilddrüse. Diese fehlgeleitete Immunreaktion führt dazu, dass Schilddrüsenzellen nach und nach durch Entzündungen zerstört werden. Der Prozess verläuft meist langsam und schleichend – oft über Jahre hinweg.

Dass es überhaupt so weit kommt, liegt an einem komplexen Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren, Immunfehlsteuerung und Nährstoffversorgung. Einer der zentralen, aber oft unterschätzten Faktoren ist dabei der Selenstatus

Die Schilddrüse weist im Vergleich zu anderen Organen eine besonders hohe Selenkonzentration auf. Der Grund: Zahlreiche selenabhängige Enzyme, sogenannte Selenoproteine, sind notwendig, um die Schilddrüse vor oxidativem Stress zu schützen und die Schilddrüsenhormone zu aktivieren und zu regulieren.

Bei Hashimoto ist der oxidative Stress deutlich erhöht und nimmt mit dem Fortschreiten der Erkrankung weiter zu. Fehlt Selen, können antioxidative Schutzmechanismen – etwa durch Glutathionperoxidasen – nicht ausreichend wirken. Dies begünstigt entzündliche Prozesse und kann die Zerstörung von Schilddrüsengewebe beschleunigen.

Doch Selen wirkt nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit weiteren Nährstoffen, die bei Hashimoto häufig ebenfalls aus dem Gleichgewicht geraten:

  • Jod ist essenziell für die Hormonproduktion, doch sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss können Autoimmunreaktionen fördern. Besonders eine übermäßige Jodzufuhr erhöht das Risiko für Hashimoto – vor allem bei gleichzeitigem Selenmangel (1).
  • Eisenmangel ist bei Hashimoto häufig, etwa durch begleitende Autoimmungastritis. Er erhöht das Risiko für positive Schilddrüsenantikörper und kann die Hormonsynthese beeinträchtigen (1).
  • Magnesium: Niedrige Spiegel werden mit erhöhter Tg-Antikörper-Positivität und Hypothyreose in Verbindung gebracht, auch wenn die Datenlage noch begrenzt ist (1).
  • Vitamin D: Viele Hashimoto-Patienten haben niedrige Vitamin-D-Spiegel. Ein Mangel ist mit einem erhöhten Risiko für Hashimoto assoziiert, und eine Supplementierung kann TPO-Antikörper senken.
  • Vitamin B12: Ebenfalls häufig vermindert, oft durch Begleiterkrankungen wie perniziöse Anämie. Ein Mangel kann mit höheren TPO-Antikörperspiegeln einhergehen.
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Was bewirkt Selen bei Hashimoto: Kann eine Supplementierung tatsächlich helfen?

Selen wirkt nicht nur antioxidativ, sondern auch immunmodulierend. Ein Selenmangel kann dazu beitragen, dass das Immunsystem überreagiert und vermehrt Autoantikörper bildet – genau jener Prozess, der bei Hashimoto gestört ist.

Studien (2) zeigen, dass eine gezielte Selen-Supplementierung bei Hashimoto die Spiegel der TPO- und Tg-Antikörper senken kann – ein Hinweis darauf, dass Selen aktiv in den Krankheitsprozess eingreift. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2024 kam zu folgenden Erkenntnissen:

Tg-Antikörper nahmen vor allem bei Patienten ohne Hormonersatztherapie ab. Ob diese Antikörpersenkung den langfristigen Krankheitsverlauf verändert, ist noch nicht abschließend geklärt, gilt jedoch als positives immunologisches Signal.

Die Effekte von Selen auf die eigentliche Schilddrüsenfunktion sind differenziert zu betrachten:

  • TSH-Wert: Bei Hashimoto-Patienten ohne Schilddrüsenhormontherapie konnte Selen den TSH-Wert signifikant senken. Bei Patienten, die bereits Levothyroxin einnahmen, zeigte sich hingegen kein zusätzlicher Effekt.
  • Schilddrüsenhormone (fT4, fT3, T4, T3): Insgesamt wurden keine klinisch relevanten Veränderungen beobachtet. Bei Erwachsenen zeigte sich lediglich ein leichter Anstieg von fT4, dessen Bedeutung noch nicht abschließend geklärt ist.

Das bedeutet: Selen kann die Schilddrüse unterstützen, ersetzt aber keine Hormonersatztherapie, wenn diese medizinisch notwendig ist.

Neben Laborwerten wurden in mehreren Studien (2) auch patientenberichtete Symptome und Lebensqualität erfasst. Viele Betroffene berichteten unter Selen über:

  • weniger Erschöpfung
  • verbessertes allgemeines Wohlbefinden
  • subjektiv reduzierte Beschwerden

Diese Effekte traten besonders häufig bei Erwachsenen, Frauen und Personen mit nachgewiesenem Selenmangel auf.

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Die richtige Einnahme: Wieviel Selen bei Hashimoto?

Die empfohlene tägliche Selenzufuhr variiert je nach Alter, Geschlecht und Lebenssituation – etwa während der Schwangerschaft oder Stillzeit. Im Durchschnitt benötigen Erwachsene rund 60 bis 70 Mikrogramm Selen pro Tag (7).

Europäische Böden gelten als vergleichsweise selenarm, weshalb pflanzliche Lebensmittel hier häufig weniger Selen enthalten als beispielsweise in den USA. Je nach Ernährungsform und Selenstatus kann eine ergänzende Seleneinnahme sinnvoll sein.

Selenomethionin oder Natriumselenit bei Hashimoto?

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis wird in vielen klinischen und therapeutischen Kontexten Natriumselenit, eine anorganische Selenform, bevorzugt eingesetzt. 

Der Grund dafür liegt in seiner gezielten biologischen Wirkung: Natriumselenit wird nicht unspezifisch in körpereigene Proteine eingebaut, sondern steht dem Organismus vor allem für die Bildung funktionell aktiver Selenoproteine zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem die Glutathionperoxidasen und Deiodinasen, die eine zentrale Rolle beim Schutz der Schilddrüse vor oxidativem Stress und bei der Regulation von Entzündungsprozessen spielen.

Selenomethionin, eine organische Selenform, kann ebenfalls wirksam sein, wird jedoch unspezifisch in Körperproteine eingebaut und kann dort gespeichert werden. Das macht es für eine längerfristige Einnahme grundsätzlich geeignet, erhöht aber gleichzeitig das Risiko einer schleichenden Überversorgung, insbesondere wenn keine regelmäßige Kontrolle des Selenstatus erfolgt.

Selen Dosierung Hashimoto: Viel hilft viel?

In den ausgewerteten Studien erwies sich Selen in Dosierungen von bis zu 400 µg pro Tag über einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten als gut verträglich. Die Häufigkeit von Nebenwirkungen unterschied sich nicht signifikant von den Placebo-Gruppen (2).

Dennoch gilt: Selen ist kein harmloses „Mehr hilft mehr“-Supplement. Eine langfristige oder hochdosierte Einnahme ohne Bedarf kann schädlich sein. Deshalb sollte eine Supplementierung idealerweise:

  • zeitlich begrenzt erfolgen
  • auf dem individuellen Selenstatus basieren
  • ärztlich oder therapeutisch begleitet werden

Wieviel Selen am Tag bei Hashimoto eingenommen werden darf und wieviel in hochqualitativer Hashimoto Nahrungsergänzungmittel tatsächlich enthalten ist, macht jedoch den entscheidenden Unterschied.

Mit Selendosierungen von 83 μg/Tag befinden sich die in Studien (4) wirksamen Mengen bei weitem unter der nebenwirkungsfreien Grenze von 400 μg aus der oben angesprochenen Studie (2).

Die richtige Wahl: Welche Selenpräparate Hashimoto wirklich abschwächen

Neben der korrekten Dosierung der täglichen Seleneinnahme zeigen Studien vor allem eines: Auch die Kombination mit anderen wirkungsvollen Stoffen bestimmt, wie erfolgreich Selen die Schilddrüse bei Hashimoto unterstützen kann.

In den Studien zeigen dabei besonders zwei Kombinationen überzeugende Ergebnisse:

1. Myo-Inositol + Selen: 

Eine randomisierte kontrollierte Studie (4) mit 168 Patientinnen und Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis und subklinischer Schilddrüsenunterfunktion zeigte, dass die Kombination aus Myo-Inositol (600 mg) und Selen (83 µg täglich) deutlich wirksamer war als Selen allein.

Nach sechs Monaten zeigte sich in der Kombinationsgruppe:

  • eine signifikante Senkung des TSH-Werts,
  • ein Anstieg von freiem T4,
  • eine deutliche Reduktion von TPO- und Tg-Antikörpern,
  • sowie eine spürbare Verbesserung der Symptome und Lebensqualität.

2. Selen und Zink: 

Hashimoto ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion. Deshalb sind Erkenntnisse zu Nährstoffen, die das Risiko für eine Hypothyreose beeinflussen, auch für Hashimoto-Betroffene besonders relevant.

Eine große Auswertung der US-amerikanischen NHANES-Daten (5) zeigte, dass Menschen mit einer niedrigen Zinkaufnahme ein deutlich erhöhtes Risiko hatten, eine Schilddrüsenunterfunktion zu entwickeln. 

Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang, wenn sowohl Selen als auch Zink unzureichend aufgenommen wurden. In dieser Kombination war das Risiko für eine Hypothyreose fast sechsmal höher – vor allem bei Frauen und übergewichtigen Personen, also genau in Gruppen, die auch häufiger von Hashimoto betroffen sind.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Entstehung und der Verlauf einer Hashimoto-Thyreoiditis nicht nur von einem einzelnen Nährstoff abhängen. Vielmehr spielt das Zusammenspiel mehrerer Mikronährstoffe eine zentrale Rolle, um Entzündungen zu regulieren, die Schilddrüsenfunktion zu unterstützen und das Fortschreiten der Erkrankung günstig zu beeinflussen.

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Fazit: Wieviel Selen und Zink bei Hashimoto tatsächlich helfen

Selen kann bei Hashimoto auf mehreren Ebenen positiv wirken: 

✅ Es schützt die Schilddrüse vor oxidativem Stress

✅ moduliert das Immunsystem

✅ und kann Autoantikörper – insbesondere TPOAb – senken

Besonders profitieren Patienten mit Selenmangel und solche ohne bestehende Schilddrüsenhormontherapie. Wer seine Schilddrüse bei Hashimoto ganzheitlich unterstützen möchte, findet in Selen einen gut belegten Ansatz, um Entzündungsprozesse zu dämpfen, die Hormonverwertung zu unterstützen und das Fortschreiten der Autoimmunreaktion günstig zu beeinflussen.

Selen ist damit kein Ersatz für Medikamente, aber ein wissenschaftlich gut untersuchter, sinnvoller Baustein in der ganzheitlichen Begleitung der Hashimoto-Thyreoiditis Therapie.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Selen bei Hashimoto

Quellenverzeichnis:

(1) Mikulska, A.A.; Kara ´zniewicz-Łada, M.; Filipowicz, D.; Ruchała, M.; Główka, F.K. Metabolic Characteristics of Hashimoto’s Thyroiditis Patients and the Role of Microelements and Diet in the Disease Management—An Overview. Int. J. Mol. Sci. 2022, 23, 6580. 

(2) Huwiler VV, Maissen-Abgottspon S, Stanga Z, Mühlebach S, Trepp R, Bally L, Bano A. Selenium Supplementation in Patients with Hashimoto Thyroiditis: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. Thyroid. 2024 Mar;34(3):295-313. doi: 10.1089/thy.2023.0556. Epub 2024 Feb 16. PMID: 38243784; PMCID: PMC10951571.

(3) Hu X, Chen Y, Shen Y, Tian R, Sheng Y, Que H. Global prevalence and epidemiological trends of Hashimoto’s thyroiditis in adults: A systematic review and meta-analysis. Front Public Health. 2022 Oct 13;10:1020709. doi: 10.3389/fpubh.2022.1020709. PMID: 36311599; PMCID: PMC9608544.

(4) Nordio M, Basciani S. Myo-inositol plus selenium supplementation restores euthyroid state in Hashimoto’s patients with subclinical hypothyroidism. Eur Rev Med Pharmacol Sci. 2017 Jun;21(2 Suppl):51-59. PMID: 28724185

(5) Lu L, Huang Z, Wang X, Chen J. Interaction Between Dietary Selenium and Zinc Intakes on Hypothyroidism. Biol Trace Elem Res. 2023 Oct;201(10):4667-4676. doi: 10.1007/s12011-023-03563-w. Epub 2023 Feb 7. PMID: 36749549.

(6) Ralli M, Angeletti D, Fiore M, D’Aguanno V, Lambiase A, Artico M, de Vincentiis M, Greco A. Hashimoto’s thyroiditis: An update on pathogenic mechanisms, diagnostic protocols, therapeutic strategies, and potential malignant transformation. Autoimmun Rev. 2020 Oct;19(10):102649. doi: 10.1016/j.autrev.2020.102649. Epub 2020 Aug 15. PMID: 32805423.

(7) https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/selen/

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