PMDS: Trennungsgedanken, Panik & Depression vor der Periode

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PMDS: Trennungsgedanken, Panik & Depression vor der Periode

Frauen, die in Foren verzweifelt versuchen herauszufinden, warum sie jeden Monat ihre Beziehung beenden wollen, die aufgrund von allesverschlingenden depressiven Gedanken arbeitsunfähig sind – und einige Tage später ist wieder alles gut. Was bleibt, sind Scham, Verunsicherung und die quälende Frage: „Warum habe ich mich nur so verhalten?“

Hinter diesen extremen Stimmungsschwankungen steckt häufig nicht mangelnde Selbstkontrolle oder eine „übertriebene Reaktion“, sondern eine ernst zu nehmende Erkrankung: die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS).

Schon gewusst?

Text wichtige Information.

Prämenstruelle dyphorische Störung: Definition & Abgrenzung

PMDD (Premenstrual Dysphoric Disorder) oder auf deutsch PMDS (Pmenstruelle Dysphorische Störung) beschreibt die schwere psychische Form der bekannten PMS (Pmenstruelles Syndrom).

Prämenstruelle Beschwerden sind weit verbreitet. Schätzungsweise 75 bis 80 % aller menstruierenden Frauen berichten vor ihrer Periode über einzelne körperliche oder psychische Symptome. Bei den meisten sind diese Beschwerden jedoch mild und beeinträchtigen den Alltag kaum. (1, 2)

Erst wenn die Symptome regelmäßig auftreten und zu einer deutlichen Einschränkung im Berufs-, Sozial- oder Privatleben führen, spricht man von einem prämenstruellen Syndrom (PMS). (1, 2)

Die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) ist die schwerste Form der prämenstruellen Beschwerden. Im Gegensatz zum PMS stehen bei der PMDS vor allem psychische Symptome im Vordergrund. 

Prämenstruelle Symptome (PS)Prämenstruelles Syndrom (PMS)Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS)
Einzelne körperliche oder psychische Beschwerden vor der PeriodeWiederkehrende körperliche und/oder psychische Beschwerden mit deutlicher Beeinträchtigung des AlltagsSchwerste Form der prämenstruellen Beschwerden mit überwiegend psychischen Symptomen
Beschwerden sind meist mildBeschwerden beeinträchtigen Beruf, Schule, soziale Kontakte oder BeziehungenBeschwerden führen häufig zu einer erheblichen Einschränkung des täglichen Lebens
Keine oder nur geringe Einschränkung der LebensqualitätDeutliche funktionelle EinschränkungenAusgeprägte funktionelle Einschränkungen, teilweise Arbeitsunfähigkeit möglich
Betrifft etwa 75–80 % aller menstruierenden FrauenJe nach Definition etwa 12–48 % der menstruierenden FrauenEtwa 1–6 % der menstuierenden Frauen
Keine eigenständige ErkrankungKlinisches SyndromIm DSM-5 als eigenständige depressive Störung anerkannt

Der wichtigste Unterschied zu anderen psychischen Erkrankungen besteht im zeitlichen Verlauf: Die Beschwerden treten ausschließlich in der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung auf, verschlechtern sich typischerweise in den Tagen vor der Menstruation und klingen mit Beginn oder kurz nach Einsetzen der Periode vollständig wieder ab

Obwohl viele Frauen prämenstruelle Beschwerden kennen, ist die PMDS deutlich seltener. Je nach Studie sind etwa 1 bis 6 % der menstruierenden Frauen betroffen. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass die Ausprägung der Symptome im Laufe der Zeit schwanken kann und nicht alle Betroffenen die diagnostischen Kriterien in jedem Zyklus gleichermaßen erfüllen. (1, 2)

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PMDS Diagnose: Eine anerkannte Erkrankung

Die Erkrankung ist im DSM-5 als eigenständige depressive Störung klassifiziert und unterliegt klar definierten Diagnosekriterien. Für die Diagnose müssen mindestens fünf zyklusabhängige Symptome vorliegen, von denen mehrere die Stimmung betreffen, darunter ein ausgeprägtes emotionales Leitsymptom. (1, 2)

DSM-5 steht für Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, 5. Auflage.

Es handelt sich um ein international verwendetes Klassifikationssystem für psychische Erkrankungen, das von der American Psychiatric Association (APA) herausgegeben wird. Das DSM-5 definiert für viele psychische Störungen konkrete Diagnosekriterien – also welche Symptome in welcher Kombination, über welchen Zeitraum und mit welcher Beeinträchtigung vorliegen müssen, damit eine Diagnose gestellt werden kann.

Für PMDS ist das DSM-5 besonders relevant, weil PMDS dort als eigenständige depressive Störung aufgenommen wurde. Die Kriterien legen unter anderem fest, dass:

  • die Beschwerden zyklusabhängig auftreten müssen,
  • die Symptome in der Lutealphase (nach dem Eisprung vor der Periode) auftreten,
  • sie mit Beginn der Menstruation oder kurz danach wieder deutlich abklingen,
  • mindestens fünf Symptome vorhanden sein müssen,
  • darunter mindestens ein zentrales Stimmungssymptom wie ausgeprägte Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, depressive Stimmung oder Angst,
  • die Beschwerden eine deutliche Beeinträchtigung im Alltag verursachen müssen.
Wichtig:

Das DSM-5 ist kein Test, mit dem man PMDS selbst feststellen kann. Es dient Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten als Orientierung für die Diagnosestellung. Entscheidend ist vor allem, dass die Symptome über mehrere Zyklen dokumentiert werden, da das wiederkehrende zyklusabhängige Muster ein wesentliches Merkmal der PMDS ist.

Zwischen den Zyklen besteht eine weitgehend beschwerdefreie Phase. Gerade dieses wiederkehrende, zyklusabhängige Muster ist entscheidend, um eine PMDS beispielsweise von einer Depression oder einer Angststörung abzugrenzen. (1)

Typische PMDS Symptome: Die unsichtbare Belastung

Im Gegensatz zum prämenstruellen Syndrom stehen bei dem PMDS vor allem psychische und emotionale Symptome im Vordergrund. 

Zu den häufigsten psychischen Beschwerden gehören:

  • starke Reizbarkeit oder Wutausbrüche
  • ausgeprägte Stimmungsschwankungen
  • depressive Stimmung bis hin zu Hoffnungslosigkeit
  • Angst oder innere Anspannung
  • Konzentrationsstörungen
  • sozialer Rückzug und das Bedürfnis, Kontakte zu vermeiden
  • Trennungsgedanken

Viele Betroffene beschreiben das Gefühl, sich in den Tagen vor der Periode „nicht wie sie selbst“ zu fühlen. Die emotionale Belastung kann so stark sein, dass Konflikte in der Partnerschaft, im Familienleben oder am Arbeitsplatz entstehen.

Neben den psychischen Beschwerden treten häufig auch körperliche Symptome auf, darunter:

Diese körperlichen Beschwerden können die psychische Belastung zusätzlich verstärken und dazu beitragen, dass sich Betroffene im Alltag noch unwohler fühlen.

Wichtig ist:

Nicht jede Frau mit prämenstruellen Beschwerden hat PMS, und nicht jede Frau mit PMS leidet an einer PMDS. Während bei PMS sowohl körperliche als auch psychische Symptome auftreten können, stehen bei der PMDS vor allem starke emotionale und psychische Veränderungen im Vordergrund. Diese können so ausgeprägt sein, dass sie Beziehungen, das Berufsleben und die psychische Gesundheit erheblich belasten. Deshalb sollte eine PMDS nicht als „starkes PMS“ abgetan werden. Sie ist eine anerkannte medizinische Erkrankung, die diagnostiziert und behandelt werden kann. 

PMDS beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich

PMDS ist weit mehr als eine vorübergehende Verstimmung vor der Periode. Die Erkrankung kann die Lebensqualität erheblich einschränken. 

Studien zeigen, dass Betroffene häufiger unter folgenden Beschwerden leiden:

  • verminderte Arbeitsleistung
  • Fehlzeiten im Beruf
  • Schlafstörungen 
  • und ein erhöhtes Stressniveau. 

(2)

Auch soziale Kontakte und Partnerschaften können durch die wiederkehrenden Beschwerden stark belastet werden. (2)

Gerade weil die Symptome mit dem Einsetzen der Menstruation oft plötzlich wieder verschwinden, werden sie von Außenstehenden häufig unterschätzt. Für die Betroffenen sind sie jedoch real und können Monat für Monat zu einer erheblichen psychischen und körperlichen Belastung werden.

Du fühlst dich vor der Periode müde und depressiv? Mögliche PMDS Ursachen

Warum manche Frauen vor der Periode unter starken Stimmungsschwankungen, depressiven Gedanken, Erschöpfung oder innerer Unruhe leiden, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. 

Die aktuelle Forschung geht jedoch davon aus, dass PMDS nicht durch einen einfachen Hormonmangel oder „falsche“ Hormonwerte entsteht, sondern durch eine besondere Empfindlichkeit des Körpers gegenüber den natürlichen hormonellen Veränderungen im Menstruationszyklus. (1)

Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Schwankungen von Östrogen und Progesteron nach dem Eisprung. Bei Frauen mit PMDS scheinen diese normalen hormonellen Veränderungen eine stärkere Reaktion im Gehirn auszulösen. Entscheidend ist also vermutlich nicht, wie viel Östrogen oder Progesteron vorhanden ist, sondern wie sensibel der Körper auf die Veränderung dieser Hormone reagiert. (1)

Einfluss auf Botenstoffe im Gehirn

Die zyklischen Hormonschwankungen können verschiedene Signalwege im Gehirn beeinflussen – insbesondere Systeme, die für Stimmung, Stressverarbeitung und emotionale Regulation wichtig sind.

Eine wichtige Rolle spielen dabei unter anderem:

  • Serotonin: Der Botenstoff beeinflusst Stimmung, Schlaf, Appetit und emotionale Stabilität. Veränderungen in der Serotoninregulation werden mit den depressiven Symptomen und Stimmungsschwankungen bei PMDS in Verbindung gebracht.
  • GABA: Dieser Botenstoff wirkt beruhigend und hilft dabei, Stressreaktionen zu regulieren. Veränderungen im GABA-System könnten zu erhöhter Anspannung, Angst oder innerer Unruhe beitragen.
  • Dopamin: Dopamin ist unter anderem an Motivation, Belohnung und Konzentration beteiligt. Eine veränderte Regulation könnte erklären, warum manche Betroffene in der prämenstruellen Phase weniger Energie, Antrieb oder Freude empfinden.

(1)

Genetische Faktoren könnten eine Rolle spielen

Neben hormonellen und neurobiologischen Faktoren gibt es Hinweise darauf, dass auch genetische Einflüsse die Anfälligkeit für PMDS mitbestimmen können. 

Bestimmte Frauen scheinen aufgrund ihrer biologischen Veranlagung empfindlicher auf die normalen hormonellen Veränderungen im Zyklus zu reagieren. (1)

Bisher konnten jedoch keine einzelnen Gene eindeutig identifiziert werden, die PMDS verursachen. Wahrscheinlich entsteht die Erkrankung durch ein Zusammenspiel verschiedener genetischer, biologischer und psychosozialer Faktoren. (1)

Verdacht auf PMDS? Das kannst du tun

Wenn du fast jeden Zyklus unter den gleichen belastenden Veränderungen leidest und diesen Artikel gefunden hast, ist hier schon der erste Schritt geschafft: Du weißt, dass deine Beschwerden einen Namen haben. Denn kaum etwas ist belastender, als nicht zu verstehen, warum der eigene Körper und die eigenen Gefühle plötzlich außer Kontrolle zu geraten scheinen.

PMDS ist eine anerkannte medizinische Erkrankung – und nichts, wofür du dich schämen musst. Das Wissen um die Diagnose kann dabei helfen, besser mit den Symptomen umzugehen und sich die Unterstützung zu holen, die man braucht.

Es kann dir helfen,

  • … dich mit anderen Betroffenen auszutauschen, beispielsweise in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren. Zu wissen, dass man mit seinen Erfahrungen nicht allein ist, kann eine große Entlastung sein.
  • … ein Symptomtagebuch zu führen. So lassen sich zyklische Muster erkennen und eine offizielle ärztliche Diagnose erleichtern.
  • … Freunde, Familie, deinen Partner oder auch deinen Arbeitgeber über PMDS aufzuklären. Menschen in deinem Umfeld verstehen deine Reaktionen oft besser, wenn sie wissen, dass dahinter eine Erkrankung steckt. Gleichzeitig können sie in besonders belastenden Phasen eine wichtige Unterstützung sein.
  • … dich in der Lutealphase bewusst daran zu erinnern, dass deine Gedanken und Gefühle durch PMDS beeinflusst werden können. Das bedeutet nicht, dass deine Emotionen nicht real sind – aber sie spiegeln in dieser Zeit nicht zwangsläufig deine langfristigen Wünsche, Überzeugungen oder Entscheidungen wider.
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Nicht-medikamentöse PMDS-Therapie: Bewegung, Verhaltenstherapie & pflanzliche Wirkstoffe im Test

Nicht jede Frau mit PMDS benötigt sofort Medikamente. Je nach Schwere der Beschwerden empfehlen Leitlinien zunächst einen multimodalen Behandlungsansatz, bei dem mehrere Maßnahmen kombiniert werden. Dazu gehören regelmäßige Bewegung, eine angepasste Ernährung, Stressmanagement und kognitive Verhaltenstherapie. (1, 2)

Insbesondere bei leichten bis mittelschweren Beschwerden gelten nicht-medikamentöse Maßnahmen als wichtiger erster Therapieschritt. Sie können die Lebensqualität verbessern und dazu beitragen, psychische und körperliche Symptome zu lindern. (2)

Bewegung: Eine der wirksamsten Maßnahmen ohne Medikamente

Regelmäßige körperliche Aktivität gehört zu den am besten untersuchten nicht-medikamentösen Therapien bei PMS und PMDS. Mehrere systematische Reviews und randomisierte Studien zeigen, dass Bewegung sowohl körperliche Beschwerden als auch psychische Symptome reduzieren kann. Besonders gut untersucht ist aerobes Training. (2)

Dabei könnten bereits 30 Minuten Bewegung an drei bis fünf Tagen pro Woche ausreichen. Es scheint weniger die Sportart als vielmehr die Regelmäßigkeit entscheidend zu sein. Geeignet sind beispielsweise:

  • zügiges Gehen
  • Joggen
  • Schwimmen
  • Radfahren
  • Yoga
  • Pilates

Warum Bewegung hilft, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich wirken mehrere Mechanismen zusammen. Körperliche Aktivität fördert unter anderem die Ausschüttung von Endorphinen, reduziert Stress, verbessert das Selbstwertgefühl und beeinflusst Entzündungsprozesse sowie hormonelle Regelkreise. Dadurch können sowohl Stimmung als auch körperliche Beschwerden positiv beeinflusst werden. (2)

Ernährung: Kleine Veränderungen können einen Unterschied machen

Auch die Ernährung scheint Einfluss auf prämenstruelle Beschwerden zu haben. Zwar sind nicht alle Zusammenhänge eindeutig belegt, dennoch zeigt eine Studie, dass bestimmte Ernährungsgewohnheiten häufiger mit stärkeren Beschwerden assoziiert sind. (3)

Als günstig gelten vor allem:

  • viel Obst und Gemüse
  • ballaststoffreiche Lebensmittel
  • Fisch und andere Omega-3-reiche Lebensmittel
  • möglichst frische, wenig verarbeitete Lebensmittel

Dagegen werden ein hoher Konsum von Zucker, Fast Food, gesättigten Fettsäuren, Alkohol und sehr salzreichen Lebensmitteln häufiger mit stärkeren PMS-Beschwerden in Verbindung gebracht. Zusätzlich empfehlen Fachgesellschaften regelmäßige, kleinere Mahlzeiten und eine Reduktion von Alkohol und Koffein, insbesondere in der zweiten Zyklushälfte. (3)

Kognitive Verhaltenstherapie

Auch die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kann Frauen mit PMDS unterstützen. Eine Studie zeigt, dass sie die Stimmung verbessern, den Umgang mit belastenden Gedanken erleichtern und die Funktionsfähigkeit im Alltag erhöhen kann. 

Zwar beeinflusst sie die hormonellen Ursachen der Erkrankung nicht, sie kann jedoch helfen, die psychische Belastung besser zu bewältigen und individuelle Bewältigungsstrategien zu entwickeln. (1)

Pflanzliche Wirkstoffe und Nahrungsergänzungsmittel – Was sagt die Studienlage?

Neben Bewegung und Verhaltenstherapie interessieren sich viele Betroffene für natürliche Therapieoptionen. Für einige pflanzliche Wirkstoffe und Mikronährstoffe liegen inzwischen erste klinische Studien vor. Die Evidenz ist zwar teilweise noch begrenzt, einzelne Substanzen zeigen jedoch vielversprechende Ergebnisse.

  1. Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus)

Mönchspfeffer gehört zu den am besten untersuchten Heilpflanzen bei prämenstruellen Beschwerden. Mehrere randomisierte Studien zeigen, dass er gegenüber Placebo insbesondere Brustspannen, Blähungen, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen sowie Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen verbessern kann. Die stärksten Effekte wurden meist nach zwei bis drei Menstruationszyklen beobachtet. Insgesamt wurde Mönchspfeffer gut vertragen und verursachte überwiegend leichte, vorübergehende Nebenwirkungen. (4)

  1. Safran

Auch Safran entwickelt sich zu einer vielversprechenden pflanzlichen Therapieoption. In einer randomisierten Studie mit Frauen, die nach DSM-5 an PMDS erkrankt waren, verringerte Safran die Beschwerden signifikant stärker als Placebo. Die Wirkung war mit der des Antidepressivums Fluoxetin vergleichbar, gleichzeitig traten unter Safran deutlich weniger Nebenwirkungen auf. Vermutet wird, dass die Inhaltsstoffe Crocin und Safranal den Serotonin-, Dopamin- und Noradrenalinstoffwechsel beeinflussen. (5)

  1. Kamille

Kamille wird traditionell zur Beruhigung eingesetzt. Klinische Studien deuten darauf hin, dass insbesondere Frauen mit überwiegend psychischen PMS-Beschwerden von Kamillenextrakt profitieren können. Verbesserungen wurden unter anderem bei Reizbarkeit, depressiver Stimmung und Schlafstörungen beobachtet. (6)

  1. Vitamin B1

Vitamin B1 (Thiamin) scheint vor allem psychische Symptome zu beeinflussen. Studien berichten über Verbesserungen bei depressiver Stimmung, Angst, Müdigkeit, Reizbarkeit und Schlafstörungen. Die genauen Wirkmechanismen werden noch untersucht, vermutlich spielt die Unterstützung des Nervensystems eine Rolle. (7)

  1. Vitamin B6

Auch für Vitamin B6 gibt es Hinweise auf eine positive Wirkung, insbesondere bei emotional dominierten prämenstruellen Beschwerden. Pyridoxin ist ein wichtiger Cofaktor bei der Bildung von Serotonin und könnte dadurch zur Stabilisierung der Stimmung beitragen. (8)

PMDS Medikamente: Pharmakologische Therapie

Reichen nicht-medikamentöse Maßnahmen allein nicht aus oder sind die Beschwerden besonders stark, kann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Welche Therapie infrage kommt, hängt unter anderem von der Schwere der Symptome, dem Kinderwunsch und den individuellen Beschwerden ab. Ziel ist es, die psychischen und körperlichen Symptome zu lindern und die Lebensqualität wieder zu verbessern. (1)

Als Therapie der ersten Wahl gelten sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Diese Antidepressiva erhöhen die Verfügbarkeit des Botenstoffs Serotonin im Gehirn und können dadurch insbesondere psychische Symptome wie depressive Stimmung, Reizbarkeit, Angst oder starke Stimmungsschwankungen deutlich verbessern. Darüber hinaus profitieren manche Frauen auch von einer Besserung körperlicher Beschwerden. (1)

Ein besonderer Vorteil bei PMDS ist, dass SSRI nicht immer dauerhaft eingenommen werden müssen. Je nach individueller Situation können sie entweder:

  • kontinuierlich über den gesamten Zyklus oder
  • nur während der Lutealphase, also zwischen Eisprung und Menstruation,

eingenommen werden. Welche Einnahmestrategie sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt gemeinsam mit der Patientin. (1)

Wenn SSRI nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, können auch Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Venlafaxin eingesetzt werden. Diese Anwendung erfolgt bei PMDS allerdings off-label, das heißt außerhalb der offiziell zugelassenen Indikation. (1)

Auch kombinierte orale Kontrazeptiva (Antibabypillen) können bei manchen Frauen die Beschwerden verbessern. Die Studienlage ist jedoch uneinheitlich. Während einige Frauen insbesondere von einer Linderung körperlicher Symptome profitieren, sprechen andere kaum auf die Behandlung an. Ob hormonelle Verhütungsmittel sinnvoll sind, sollte daher individuell ärztlich abgeklärt werden. (1)

Neben klassischen Medikamenten gibt es Hinweise darauf, dass eine tägliche Einnahme von 1.000 bis 1.200 mg Kalzium die prämenstruellen Beschwerden moderat reduzieren kann. Kalzium gilt deshalb als mögliche ergänzende Maßnahme, ersetzt bei einer ausgeprägten PMDS jedoch keine wirksame medikamentöse Therapie. (1)

Fazit: PMDS ist mehr als „schlechte Laune vor der Periode“

Die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) ist keine Überreaktion und keine Charakterschwäche, sondern eine anerkannte psychische Erkrankung, die mit den hormonellen Veränderungen im Menstruationszyklus zusammenhängt.

Im Gegensatz zum prämenstruellen Syndrom (PMS) stehen bei PMDS vor allem schwere emotionale Symptome wie depressive Verstimmungen, Angst, Reizbarkeit oder Hoffnungslosigkeit im Vordergrund. Sie können Beziehungen, Beruf und den gesamten Alltag erheblich beeinträchtigen.

Die gute Nachricht: PMDS ist behandelbar. Neben einer gesicherten Diagnose durch eine prospektive Symptomdokumentation stehen heute verschiedene wirksame Therapieoptionen zur Verfügung. Dazu gehören insbesondere:

SSRI, die als Therapie der ersten Wahl gelten

kognitive Verhaltenstherapie

✅ regelmäßige körperliche Aktivität 

✅ eine ausgewogene Ernährung 

✅ bestimmte pflanzliche Wirkstoffe und Mikronährstoffe wie Mönchspfeffer, Safran, Kamille oder Vitamin B6

Das Wichtigste ist jedoch: Wenn deine Gedanken, Gefühle oder dein Verhalten jeden Monat in der zweiten Zyklushälfte kaum wiederzuerkennen sind und sich nach Beginn der Menstruation deutlich bessern, solltest du diese Beschwerden ernst nehmen und ärztlich abklären lassen. Eine frühzeitige Diagnose kann helfen, den Leidensdruck deutlich zu verringern und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Niemand muss mit PMDS allein zurechtkommen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu PMDS

Quellenverzeichnis:

(1) Hofmeister S, Bodden S. Premenstrual Syndrome and Premenstrual Dysphoric Disorder. Am Fam Physician. 2016 Aug 1;94(3):236-40. PMID: 27479626.

(2) Liguori, F.; Saraiello, E.; Calella, P. Premenstrual Syndrome and Premenstrual Dysphoric Disorder’s Impact on Quality of Life, and the Role of Physical Activity. Medicina 2023, 59, 2044. 

(3) Oboza, P.; Ogarek, N.; Wójtowicz, M.; Rhaiem, T.B.; Olszanecka-Glinianowicz, M.; Kocełak, P. Relationships between Premenstrual Syndrome (PMS) and Diet Composition, Dietary Patterns and Eating Behaviors. Nutrients 2024, 16, 1911. 

(4) Cerqueira RO, Frey BN, Leclerc E, Brietzke E. Vitex agnus castus for premenstrual syndrome and premenstrual dysphoric disorder: a systematic review. Arch Womens Ment Health. 2017 Dec;20(6):713-719. doi: 10.1007/s00737-017-0791-0. Epub 2017 Oct 23. PMID: 29063202.

(5) Rajabi F, Rahimi M, Sharbafchizadeh MR, Tarrahi MJ. Saffron for the Management of Premenstrual Dysphoric Disorder: A Randomized Controlled Trial. Adv Biomed Res. 2020 Oct 30;9:60. doi: 10.4103/abr.abr_49_20. PMID: 33457343; PMCID: PMC7792881.

(6) Sharifi F, Simbar M, Mojab F, Majd HA. Comparison of the effects of Matricaria chamomila (Chamomile) extract and mefenamic acid on the intensity of premenstrual syndrome. Complement Ther Clin Pract. 2014 Feb;20(1):81-8. doi: 10.1016/j.ctcp.2013.09.002. Epub 2013 Oct 9. PMID: 24439651.

(7) Abdollahifard S, Rahmanian Koshkaki A, Moazamiyanfar R. The effects of vitamin B1 on ameliorating the premenstrual syndrome symptoms. Glob J Health Sci. 2014 Jul 29;6(6):144-53. doi: 10.5539/gjhs.v6n6p144. PMID: 25363099; PMCID: PMC4825494.

(8) Doll H, Brown S, Thurston A, Vessey M. Pyridoxine (vitamin B6) and the premenstrual syndrome: a randomized crossover trial. J R Coll Gen Pract. 1989 Sep;39(326):364-8. PMID: 2558186; PMCID: PMC1711872.

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